Paris: Strahlender Advent

Paris zur Vorweihnachtszeit. Dieses Mal darf die Stadt, die ich so liebe, vorführen. Eine Freundin begleitet mich während wir durch Straßen und über Boulevards spazieren. Vorbei an festlich bis bizarr geschmückten Schaufenstern, vorbei an Lichterzaubern und den kleinen Cafés, wo auch noch jetzt im Advent Menschen an den Tischen auf den Trottoirs sitzen. 

Bistro in Paris mit Paar


Unser Hotel liegt, zufällig, im neuen In-Viertel der französischen Kapitale: „SoPi“ – South of Pigalle, so viel Hingabe zum Anglizismus scheint mir neu; die Zahl der Hippster-Bärte in dieser Ecke der Stadt auch. Schräg gegenüber unseres hübschen Hotels mit herausragend freundlichem Personal liegen eine Käsebar, ein dänisches Restaurant und ein Blumengeschäft mit prächtiger Weihnachtsbeleuchtung. Die Straße hinunter drehen sich die Windmühlenflügel des Moulin Rouges. Die Gegend hatte ich schmuddeliger in Erinnerung, auch wenn sich hier immer noch die grellen Sexshops aneinander reihen. Hippster-Läden sind allerdings hinzugekommen.

Das Moulin Rouge bei Dämmerung


Weit ist es nicht zu den Boulevards mit ihren großen Kaufhäusern. In der Galerie Lafayette herrscht ein wildes Gefunkel und von der Dachterrasse blicken wir staunend über Paris… Zurück auf Straßenniveau sind die Schaufenster der Geschäfte ein Spektakel für sich: Da tanzen gefleckte Kühe, lächeln Hunde mit langem pinken Fell, wackeln monsterartige Kreaturen und mannsgroße Modepuppen tragen Papageienköpfe. Irgendwo steckt dazwischen der Weihnachtsmann.

Glitzernder Weihnachtsbaum in der Galerie Lafeyette
Weihnachtliches Schaufenster am Kaufhaus Printemps
Schaufenster am Kaufhaus Printemps
Schaufenster in der Galerie Lafayette
Glitzerschmuck zu Weihnachten in der Galerie Lafeyette


Es wird dunkel, Paris erstrahlt. Vor der Madeleine brennen Autoreifen, die Gilets jaunes kommen uns entgegen. Und Hundertschaften Polizei. Doch noch eskalieren die Proteste nicht so wie wohl ein, zwei Wochen später. Die meisten Pariser wirken genervt, in ihrem Tagesablauf und in ihrem Advents-Shopping gestört. Man drängt sich auf den Bürgersteigen, von einer Boutique zur nächsten eilend. Noch einmal blicken wir über die Dächer von Paris. Dann gehen wir in einem netten Lokal mit Burgunder-Küche essen.

Eiffelturm bei Nacht


Es regnet am nächsten Morgen. Wir haben Karten für die alte Oper. Sonntags gibt es in diesem Haus Kammerkonzerte; etwas über 20 Euro zahlen wir, ein Schnäppchen. Wer behauptet denn, Paris müsse teuer sein? Wir betreten einen Palast: Die Oper ist ein Rausch an Säulen, Deckengemälden, Kronleuchtern, Gold, Marmor, Samt. Staunen über Staunen. Wo sind unsere Plätze? Einer netten jungen Frau zeigen wir unsere Karten. Wir sind verblüfft als sie für uns eine Loge aufschließt, mit eigener kleinen Garderobe und Plätzen hoch über Bühne und Parkett. An der Decke strahlt ein farbenfrohes Gemälde von Chagall, drumherum imperialer Prunk. Die Musik verzaubert uns und das volle Haus. Ein Traum.

Kronleuchter, goldene Säulen in der Oper
Logenplätze in der Oper
Deckengemälde von Chagall in der Oper von Paris


Wir ziehen weiter durch die Stadt. Der Regen hat nachgelassen. Da sind die Touristenmassen am Louvre, dann über die Seine, durch kleine Gassen, irgendwann sind auf dem Boulevard St. Germain – müde, leicht hungrig, erschöpft. Aufs Geratewohl betreten wir ein Café, wo die Halbe erstaunlich-billige 3 Euro kostet… Wir trinken, philosophieren und wachen langsam wieder auf. Den Abend verbringen wir im Lichterzauber des Jardin des Plantes, wo hunderte von Tieren hell erstrahlen. Diesen Besuch schildere ich hier.

In einer Brasserie ums Eck unseres Hotels essen wir spät und sehr gut zu Abend. Die Kellnerin erinnert an Amelie, natürlich, an wen auch sonst?

An unserem letzten Tag in dieser immer wieder mitreissenden Stadt kommt die Sonne hervor. Die Rue Montmartre geht es hinab, vorbei an chinesischen Läden mit allerlei Plunder, Cafés, Schuhgeschäften und Chocolaterien, vor deren Staufenstern wir wieder ins Staunen kommen. Unter dem schwungvollen neuen Dach des Forum Les Halles steht ein Weihnachtsbaum und um das Centre Pompidou herum viel Polizei – und einige Journalisten mit langen Teleobjektiven. Das Kaufhaus am Rathaus wirbt für Mary Poppins im Schaufenster. Dahinter erstrecken sich die Gassen des Marais, wo wir shoppen und schließlich ein letztes Mittagessen einnehmen. Wir sitzen draußen, an einem Tisch in der Sonne, trinken Wein, essen Coq au Vin. Am Nachbartisch ein älterer Herr, halb eingefallen. Seine Bewegungen sind langsam und mühsam. Eine junge Frau begleitet ihn; seine Pflegerin, vermutlich. Der Wirt begrüßt die Beiden freundlich. Bernard heißt der Mann und die Crème brûlée zum Dessert geht aufs Haus. Pariser können verflixt nett sein.

Notre Dame
Street Art am Centre Pompidou
Mary Poppins Schaufenster in Paris
Mario und Yoshi Pixal Art
Pixel-Art im Marais von Paris

Schließlich Abschied, au revoir Paris! Bis bald. Auf zum Zug, schweren und zugleich auch leichten Herzens. Paris ist und bleibt ein Traum… gerade auch zur Weihnachtszeit.


 



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