Sizilien: Rund um den Vulkan

Raus. Aus der Einfahrt. Mit dem Auto, rechts die Straße hoch. Vor uns der Berg. Mehr Plan haben wir nicht für heute. Wir wollen um den Ätna fahren. Ohne spezielles Ziel die Ortschaften rund herum erleben.

Adrano heißt unser erster Halt. Das Auto lassen wir neben einem Park stehen. Ein paar Meter gehen wir, dort erhebt sich ein trutziger Turm: Ein Kastell, das normannische Herrscher vor 900 Jahren hingeklotzt haben. Im Inneren ist es angenehm kühl. In den Räumen hinter den dicken Mauern finden wir ein kleines Museum, gewidmet der antiken-griechischen Stadt, die einst hier stand. Die Beschriftungen sind ausschließlich in Italienisch. Extrem freundliche Damen zeigen uns mit Händen und Füßen den Weg.

 

Kirchenfassade in AdranoGriechische Statuetten im Museum von AdranoNormanischer Turm in Adrano

 

Auch im benachbarten Café sind die Kellner äußerst nett und wir bestellen herrlich erfrischend-süße Granita. Der Wirt spricht Deutsch, hat jahrzehntelang in Hannover gearbeitet, dann wollte er zurück nach Sizilien. Wer will’s ihm vergelten? Zum Abschied probieren wir seine Cannoli, zart mit Ricotta-Creme gefüllt, und himmlisch.

 

Erdbeer-GranitaFassade in Adrano

 

Wieder im Auto. Es ist warm, doch der Himmel wird grau. Die Straße windet sich, durch kleine Ortschaften, vorbei an Feldern, zu unserer Rechten der mächtige Ätna. Der Gipfel hängt tief in den Wolken. 

 

Feld an den Hängen des ÄtnaMohnblumen auf Sizilien

 

In Bronte stolpern wir über eine Beerdigung. Dann kaufen wir in einem kleinen Souvenirladen Pistazien, Pistazienpesto, Pistazienkekse. Bronte sei bekannt für seinen Pistanzienanbau. Wir glauben’s. Sonst wirkt der Ort wie ausgestorben. Es ist 15 Uhr. Sizilien hat zu. Außer uns bewegt sich kaum jemand auf den Straßen, die Fensterläden sind geschlossen. Der schwarze Leichenwagen und der gelangweilte Fahrer im schwarzen Anzug, der ein Sportzeitung liest, passen gut ins Bild.

In Randazzo haben wir Hunger. Doch noch hat nahezu alles zu. Auf die hübsche Stadt mit ihren hübschen Gassen und ihren hübschen Kirchen können wir uns nicht so recht konzentrieren. Der Magen bestimmt unsere Laune, und die ist angespannt. In einer Bäckerei gibt’s bloß noch Süßes und eine eher bescheiden aussehende Pizza, die viel zu lange unter der Wärmelampe lag. Doch der Chef ist erstaunlich zuvorkommend: Wir sollen doch die Straße runtergehen, da gäbe es einen Weinhandel, der habe auch Sandwiches. So landen wir in diesem wunderbar-vollgestellten kleinen Laden mit seinen überbordenden Regalen. An einer Seite steht eine Kühltheke, die fast überquillt vor Käse und Schinken. Der Besitzer macht uns belegte Brote, so einfach und so fantastisch. Wir sind im Himmel, ich trinke Wein. 

 

Kirche in Ragazzo

 

Als die Sonne den Himmel golden-rosa färbt erreichen wir das Meer. Schon wieder treffen wir einen netten Sizilianer: er hilft uns bei der komplizierten Parkuhr. Die Wellen rauschen, wenige Meter draußen erheben sich Felszacken aus dem Wasser. Diese hab einst der geblendete und folglich wutentbrannte Zyklop Polyphem dem flüchtenden Odysseus und seinen Mannen hinterhergeschleudert. Erfolglos. 

 

Die Zyklopen-Felsen vor SizilienFischerboot auf Sizilien

 

Zu Abend essen wir in einem kleinen Touristenlokal mit Blick über Strand und Hafen. 

 

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3 Gedanken zu „Sizilien: Rund um den Vulkan

    1. Dankeschön. :) Das Eis ist Granita – Spezialität auf Sizilien, die es in unterschiedlichsten Geschmacksvariationen gibt (z.B. auch Mandel oder Schoko). Wird dann auch gerne, ohne Witz, mit Brötchen / Brioche gegessen.

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