Mosambik: Der Tag am Meer

Unsere Dhau wippt sanft auf den Wellen der türkisblauen Lagune. Eine leichte Brise fängt sich im großen, strahlendweißen Segel. Der Steuermann korrigiert in aller Ruhe den Kurs. Das beständige Schaukeln wirkt meditativ; es ist unglaublich still. Mein Blick verliert sich auf dem unendlichen Ozean zu unserer Rechten…

Für heute haben wir eine Bootstour gebucht. An Bord dieser Dhau – einem dieser drahtigen Schiffstypen, die sich überall von hier bis ins Arabische Meer finden. Am Pier direkt hinter der alten portugiesischen Kathedrale von Ilha de Moçambique stachen wir in See. Fünf junge Männer springen um Daniel und mich herum. Ein dekadentes Gefühl.

Langsam halten wir auf das gegenüberliegende Ufer zu. Das Wasser ist klar, ich sehe bis auf den Grund. Fischer stehen in der Lagune; es ist nicht tief. Sie jagen mit Netzen und mit Speeren und lächeln uns freundlich zu als wir vorüber gleiten. Die letzten paar Meter bis zum Strand waten wir ebenfalls durch das warme Wasser… dann sind wir da.

Ilha de Moçambique: Mit der Dhau auf blauem Meer

Ilha de Moçambique: Fischer in der Lagune

Erwachen

Eine Berührung am Arm, ich schrecke aus dem Schlaf hoch – und blicke in zwei kurze Stiele mit schwarzen Augen dran. Ein erschrockener Schrei, ich bin noch wie benommen. Der arme kleine, gelb-weiße Krebs hat sicherlich viel mehr Angst vor mir als ich vor ihm. Schnell trippelt er auf seinen Füßchen davon. Mir tut das leid.

Ich komme wieder zu mir: das Handtuch liegt auf weißem Sand, mein Blick schweift über den gewaltigen Indischen Ozean vor mir. Die Flut steigt. Hunderte Krebse huschen in der Brandung umher – Artgenossen meines kleinen Freundes von eben. Ich stehe auf und gehe einige Schritte in das wohlig warme Wasser. Ein Ort wie aus einem Traum, jenseits aller Zeit…

Ilha de Moçambique: Ein kleiner Krebs

Ilha de Moçambique: Der Indische Ozean...

Da ruft uns einer unserer Guides, der bislang im nahen Schatten lag. Das Mittagessen sei bald fertig. So packen wir zusammen und gehen zurück zu den zwei kahlen Baobab-Bäumen, unter denen der Koch ein hübsches Picknick angerichtet hat: mit gegrillten Fisch, Reis und herrlichen Salaten. Wir essen, die Wellen rauschen im Hintergrund…

Ilha de Moçambique: Baobab-Bäume am Strand

Das Dorf

Nach dem Lunch führt uns der Guide über einen steinigen Pfad durch niedrige Mangroven. Flipflops sind dafür nicht das beste Schuhwerk, doch etwas anderes tragen wir nicht. Ein kleines Äffchen kreuzt unseren Weg. Nach wenigen Minuten erreichen wir ein weitläufiges, einfaches Dorf. Hohe Palmen wiegen sich hier im Wind.

Ilha de Moçambique: Kinder im Swahili-Dorf

Unzählige Kinder springen herum. Sie lachen, winken uns zu. Das Dorf ist arm, sicher, doch aufgeräumt. Entlang der Hauptstraße stehen Laternen. Letztes Jahr habe man die aufgestellt, meint unser Guide. Bezahlt von der nahen Fünf-Sterne-Lodge, wo viele der Bewohner arbeiten. Am Strand liegen mehrere einfache Boote, darunter auch unsere Dhau. Ein paar Jungs spielen vergnügt im Wasser. Sie klettern auf die Boote und springen hochvergnügt wieder in die Lagune. Sie wollen unbedingt fotografiert werden, ich komme dem gerne nach, bin zufrieden mit dem Foto. Dann steigen die Kinder aus dem Wasser und jetzt sehe ich, dass die Jungs splitterfasernackt sind…

Ilha de Moçambique: Jungs spielen im Wasser

Die Sonne steht mittlerweile tief, das Licht ist golden. Vor uns liegt die niedrige, koloniale Altstadt von Ilha de Moçambique. Ein, zwei kleine Kirchtürme ragen über die Dächer… Wir kehren zurück. Mit viel Dank und Trinkgeld verabschieden wir uns von unserer Crew. Ein schöner Tag. Ein letztes Mal blicken wir auf unsere kleine, treue Dhau.

Ihr Name ist Titanic.

 

 

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4 Gedanken zu „Mosambik: Der Tag am Meer

      1. Ich werd in verschiedenen orten in sozialen Projekten arbeiten. Sicher sind nametoria, metarica und cuamba. Werde aber auch 2 Monate Zeit zum reisen haben und sammel noch ideen :)

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