Malawi: Auf Safari

Das Grunzen der Nilpferde hallt über den Fluss. Hunderte Hippos liegen im Wasser, tauchen auf und ab, wackeln mit den Ohren und zeigen uns ihre beeindruckenden Hauer. Dass es so viele von ihnen auf einem Haufen geben könnte, hätte ich mir nicht träumen trauen…

Friedlich tuckert unser kleines Boot den Shire River entlang. Links und rechts die Savannen und Wälder des Liwonde Nationalparks, im Heck sitzt Henry – der einzige vollleibige Afrikaner, den ich in drei Wochen sehe. Mit beeindruckend viel Expertise erklärt er uns – das heißt Daniel, mir, unseren neuen holländischen Freunden und einer Handvoll Briten im Boot – die Geschichte des Parks und die Lebensgewohnheiten seiner Bewohner. Jeden Vogel scheint er mit Vornamen zu kennen und unsere Frage beantwortet er mit Geduld und Fachwissen.

Der Liwonde Nationalpark ist ein Paradies für Flusspferde

Ein Fischerboot und jede Menge Flusspferde im Liwonde Nationalpark, Malawi

Der Fischer wildern im Liwonde Nationalpark, Malawi

 

Am Ufer liegen mit aufgerissenen Mäulern einige Krokodile. Alle paar Wochen erwischt es einen der Fischer, die sich in ihren hölzernen Kanus zum Wildern in den Nationalpark trauen. Der Ertrag hier ist groß, doch tödliche Unfälle mit Krokodilen und Hippos sind häufig. Unmerklich rutsche ich auf meiner Bank etwas weg vom Rand des Bootes…

Die Landschaft raubt mir den Atem, und noch mehr die Bewohner: Antilopen, Impalas, Paviane,  Warzenschweine, Waterbucks, Bushbucks… und da! Wir springen auf. Rechts stehen direkt am Wasser zwei Elefantenbullen dicht an dicht. Sie beachten uns gar nicht. Wir sind wohl nicht wichtig genug. Das hier ist ihre Neighborhood. Was wollen wir schon hier. Kollektives Staunen angesichts so viel Gelassenheit. Ganz nah sind wir dran.

Zwei Elefanten am Flussufer im Liwonde Nationalpark, Malawi

 

Auf der anderen Seite des Shire Rivers rupft ein weiterer Bulle Blätter von den trockenen Büschen und Bäumen. Erst scheint auch ihm egal zu sein, dass er da von einem halben dutzend sehr weißer Menschen angeglotzt wird und die ihn wie blöde fotografieren. Da dreht er sich um: Pfeilschnell setzt unser Skipper das Boot zurück, zurück auf die Mitte des Flusses. Henry sagt, dass die Elefanten hier in Liwonde dazu neigen, ohne große Warnung auf Attacke zu schalten. So nah wollen wir dann nicht an die Dickhäuter ran. Der Elefant dreht sich um und frisst weiter. Ein weißer Vogel sitzt auf seinem Rücken und pickt nach Parasiten.

Nah heran: Elefantenbulle im Liwonde Nationalpark, Malawi

Elefantenherde in der Ferne im Liwonde Nationalpark, Malawi

 

In der Ferne erblicken wir nun schemenhaft eine ganze Herde – große Tiere, kleine Tiere. Doch es ist Zeit, umzukehren. Mir ist, als erwache ich aus einem Traum…

Zurück im Camp: Mit den zwei Holländern teilen wir eine hübsche und überraschend günstige Hütte. An der Wand steht ein kleines Regal mit Taschenbüchern. Die Duschen sind nicht weit, und von der Toilette aus blickt man direkt auf den freien Himmel…

 

Self-Drive in den Park

Nach dem Mittagessen steigen wir in unseren Toyota und fahren hinein in den Park – Daniel und ich auf der Rückbank, Henrik am Steuer, Ide daneben. Der Wald ist kahl und trocken, viel zu sehen gibt es nicht. Leichte Enttäuschung bei uns. Dann das erste Eland! – oder ist es ein Kudu? Egal. Kamera raus.

Ist das ein Eland oder ein Kudu? Liwonde Nationalpark, Malawi

Tiere im Liwonde Nationalpark, Malawi

 

Über holprige, kaum erkennbare Wege geht es hinaus ins Grasland. In der Ferne glitzert der Shire River in der Sonne. Im Dunst glaube ich Elefanten zu erkennen… dann sehen wir mehr Antilopen, Impalas, Water- und Bushbuck, Eland, Kudu, Paviane die aufgeregt vor unserem Auto davonlaufen, Wasserbüffel und zahlreiche Warzenschweine (Pumba!), darunter eine Sau mit zwei kleinen Ferkeln. Das ganze Land voller Tiere, zu tausenden stehen sie auf der Savanne. Wir staunen, sind euphorisch, begeistert. Amazing.

Der Toyota schüttelt uns gut durch. Ein Spaß, eine großartige Safari, eine zauberhafte Landschaft zwischen Fluss, Savanne, Wald und Berge. Ein Traum, nochmal.

Impala Close-up im Liwonde Nationalpark, Malawi

 

Impalas auf der Savanne des Liwonde Nationalparks, Malawi

 

Geräusche in der Nacht

Mit ein paar Bier sitzen wir abends zusammen auf einem der Aussichtsdecks im Camp. Affen springen vorbei, genauso wie eine Vierergruppe Warzenschweine. Schnell bricht hier die Nacht über das Land herein. Wie schon auf dem Mulanje strahlen abertausende Sterne vom samtschwarzen Himmel, deutlich leuchtet die Milchstraße am gigantischen Firmament. Wir hören hinein in die Dunkelheit: Vögel schreien… dann … Grunzen… schweres Atmen… ein Hippo? Irgendwas ist ganz nah, etwas großes… Die Fantasie dreht Spielfilme im Kopf.

Dann kommt Fred. Er ist der Hausherr hier im Camp, hat es vor 6 Jahren aufgebaut, kommt ursprünglich auch aus den Niederlanden. Sein nackter Oberkörper ist dunkelbraun gebrannt. Um die 50 muss er wohl sein – aber das fällt mir schwer zu sagen – und erscheint wie eine Mischung aus Humphrey Bogart und Crocodile Dundee. Was ihm wohl auch arg gefällt. Genussvoll erzählt er uns von brutalen Krokodilangriffen, vom Kampf gegen die hiesigen Wilderer und von zig Krankheiten und Parasiten, die man sich so leicht in Malawi einfangen könne. Dabei trinkt er einen Whisky nach dem anderen. Mittlerweile sind die Tiere ruhig geworden, dafür hören wir Freds Stories zu. Zwischendrin dreht er sich zu Henrik und mir um und fragt freundlich, ob wir etwas Weed haben wollen. Dankend lehnen wir ab. Er dreht sich einen Joint, nimmt einen tiefen Zug und teilt mit verblüffend klarer Stimme sein Wissen über die vielen Tiere, die hier in Liwonde leben. Oben funkeln weiter die Sterne.

Kurz nach Sonnenaufgang gehen wir noch auf Walking Safari. Ein paar Warzenscheine schrecken wir auf. In den Bäumen sitzen Affen, die uns und unseren Guide groß anglotzen. Sonst sehen wir noch jede Menge Fußspuren und gigantische Haufen Elefantenscheiße. Zumindest wird uns klar, wie nahe nachts die richtig großen Tiere an unser Camp herankommen. Nochmal denken wir an die Geräusche von gestern Abend.

Der Weg führt uns wieder an den Shire River. Ein letztes Mal hören wir das Grunzen der Flußpferde…

Nach einem langen Frühstück brechen Daniel und ich auf; wir verabschieden uns von unseren Freunden, die uns noch zum Bushalt im nahen Ort bringen. Unser neues Ziel: Mosambik

 

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