Blaubeuren: Meerjungfrauen und Steinzeitmenschen

Mit Wucht bohrt sich der Speer in die Seite des jungen Mammuts. Ein weiterer Jäger wirft und trifft. Für die Sippe heißt das jede Menge Fleisch. Der Ort: der Garten meiner Eltern.
Vor 15.000 Jahren. Oder so.

Meine Fantasie geht wieder mit mir durch.

Wir sind im Blaubeuren, einer überschaubaren Kleinstadt aus einem schwäbischen Bilderbuch. Dort begrüßt uns das „urmu“ – was für Urzeitmuseum steht. Ich lerne: Hier unten im Tal war das leichte Wild, hier verbrachte die Steinzeitfamilie die Sommer. Weiter oben war flaches Hochland. Da grasten zottelige Mammuts. Geschätzte 10.000 Jahre später haben meine Eltern auf genau diesem Hochland, wo gerade der Raps blüht und die A8 Richtung Stuttgart läuft, ihr Haus. Hier bin ich aufgewachsen.

Das Museum in Blaubeuren ist klein, aber toll: in einem alten Fachwerkbau, der über 500 Jahre alt ist, wird 40.000 Jahre alter Schmuck gezeigt. Eine unvorstellbare Epoche. Flöten aus den Knochen von Mammut, Geier und Schwan. Frauenfiguren, ein 30 Jahrtausende alter, beachtlicher Phallus aus Stein. Ein Land vor unserer Zeit.

So lebte es sich vor Jahrtausenden - im Urzeitmuseum, Blaubeuren
Der Lebensstandard vor ein paar Jahrtausenden. In Playmobil.

 

Repliken von Steinzeit-Figuren im Urzeitmuseum, Blaubeuren
Repliken von Tierfiguren aus der Steinzeit

 

40.000 Jahre alte Frauen-Figur im Urzeitmuseum, Blaubeuren
Die aus Mammutelfenbein geschnitzte „Venus vom Hohle Fels“ ist geschätzte 40.000 Jahre alt – diese Schwäbin ist damit die älteste Menschendarstellung, die wir kennen. Wow.

 

 

Wir treten aus dem Museum und finden uns in der kleinen, gemütliche Innenstadt von Blaubeuren. Viel Fachwerk. Zuletzt war ich hier vor 20 Jahren, oder mehr. Mit der Schule. Ziel heute wie damals: der Blautopf.

Da entspringt die Blau, ein kleines Flüsschen, welches sich malerisch durch ein Tal wiegt bis es in Ulm genauso malerisch durch das altstädtische Fischerviertel hindurch in die Donau fließt.

Unterwegs in Blaubeuren

 

 

Der Blautopf ist genau das: Blau. Tiefblau. Himmel und die tiefgrünen Kronen der umstehenden Bäume spiegeln sich darin. Touristen schießen Handyfotos, ich hab meine Spiegelreflexkamera dabei. Ein Mühlrad dreht sich. Es ist kitschig. Und wunderschön.

Tiefblau strahlt der Blautopf in Blaubeuren

Laut Legende lebte einst eine Meerjungfrau hier – die schöne Lau. Eine traurige Gestalt, welche hierher verbannt wurde, bis sie lerne zu lachen. So fristete sie ihre Tage in einem Palast unter Wasser. Zahllose Kammern, reich geschmückt, voller Magie. Schon wieder springt meine Fantasie davon…

Und: Tatsächlich geht vom Blautopf ein gewaltiges Höhlensystem aus, das sich tief unter die Schwäbische Alb frisst. Keiner kann sagen, wie weit es reicht. Ein Zauberreich. Ich starre ins Blau.

 

Perfekte Spiegelung am Blautopf in Blaubeuren

Blau und Grün am Blautopf in Blaubeuren

 

Es ist hübsch hier. Meerjungfrauen, Steinzeitjäger, Mammuts. Pause. Ich trinke ein Bier.

Meine Fantasie dreht sich weiter…

 

 

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2 Gedanken zu „Blaubeuren: Meerjungfrauen und Steinzeitmenschen

  1. Nicht nur überschaubar, sondern auch beschaulich wirken die Fotos! Fast wäre ich über den ersten Satz dieses Blogeintrags nicht hinweggekommen, denn auch meine Fantasie ging mit mir durch. Versehentlich habe ich „in die Seite des jungen Mannes“ statt „Mammuts“ gelesen. Das kommt davon, wenn täglich von grausamen Gewalttaten in scheinbar harmlosen Provinzstädtchen berichtet wird. Färbt doch irgendwie ab … ;-)

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