Durchatmen (Slow Travel, Teil 1)

Die folgenden Gedanken und Erinnerungen schossen mir dank Marc und John von 1ThingToDo durch den Kopf: Die Zwei luden zur Blogparade Slow Travel: Wider den To-Do-Listen ein.

 

Siena. Ich ziehe den Stuhl zurück und setze mich an einen der kleinen Tische vor diesem Touristencafé. Dicke Tropfen trommeln auf die Markise über mir. Die Luft riecht frisch und so herrlich nach Regen.  Ein Cappuccino, bitte. Grazie.

Mit stillem Genuss blicke ich über den großen Platz – der Piazza del Campo – sehe Einheimische wie Besucher. Die einen rennen, ihre Jacken über den Kopf gezogen, als dürftiger Schutz, nicht nass zu werden. Ein hilfloses Unterfangen. Andere tragen bunte Regenschirme vor ihren Gesichtern, gegen den Wind, ebenfalls eine eher herausfordernde Tätigkeit. Ich atme tief durch.

Nein, ich wollte jetzt nicht die vierte Kirche für heute betrachten. Auch das dritte Museum konnte mich wirklich nicht reizen. Nein.

Mit großer Verwunderung, die an Entrüstung grenzte, sah mich meine Reisebegleitung an. Wie? Da sind wir schon mal in Siena, dieser toskanischen Schönheit voller Geschichte, und ich will nicht all ihre Wunder und Schätze sehen?

Nein, will ich nicht. Noch ein Altar, noch eine Marienstatue, noch ein kunstvolles Mosaik?

Lass mich damit in Ruhe!

Denn ich bin doch hier, in Siena! Diese Stadt, die mir wie aus ferner Zeit erscheint. Mit ihren engen Gassen, ihren roten Ziegeldächern, dem riesigen Campanile und der muschelförmigen Piazza. Ich will diese Stadt erleben, verdammt nochmal!

So sitze ich also allein in diesem Café, während es regnet, beobachte die Menschen, und fühle mich pudelwohl. So gut es geht, sauge ich diesen Ort auf. Ich bestelle noch ein Glas Rotwein, und schlage dann ein Buch auf. Welches las ich damals bloß…? Ich kann mich nicht mehr daran erinnern.

Doch eingebrannt haben sich: der Geruch und der Klang des Regens, der frische Wind auf meiner Haut, der Glanz des regennassen Pflasters der Piazza, die jahrhundertealten Häuserfassaden drumherum – und dieses Gefühl, einfach zufrieden zu sein.

Die Museen, die Kirchen, alles andere, in das mich meine Reisebegleitung zerrte?
Vergessen.

 

 

Danke an 1ThingToDo für das tolle Thema dieser Blogparade!

 

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4 Gedanken zu „Durchatmen (Slow Travel, Teil 1)

  1. Tatsächlich fallen mir gerade zwei Kirchen in Siena ein, die man gesehen haben sollte :D Sprich: Mehr hab ich auch nicht gesehen (und das ICH! Als Kirchenfanatikerin!). Bei uns war das Wetter aber schön – entsprechend lagen wir auf der Piazza del Campo :)

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