Notizen aus England

Beer

Manche Orte besuche ich alleine des Namens wegen: Beer – das ist ein kleines Dorf an Devons Südküste. Die Häuschen sind reetgedeckt, Geranien wachsen an den Fensterbrettern. Am Hafen liegen ein paar Fischerboote und es gibt reichlich Parkplätze für die Touristen.

Auch ich stelle meinen Vauxhall Corsa ab und beginne, einfach aufs Geratewohl zu laufen. Schnell hab ich den Ort hinter mir und spaziere den sich-auf-und-ab-schwingenden Küstenweg entlang. Links liegt ein wunderschönes, efeubewachsenes Landhaus, welches über den tiefblauen Ärmelkanal blickt – rechts von mir eine wenig ansehnliche Ferienhaussiedlung.

Der Hafen und Strand von Beer in Devon

Dieses Landhaus in Beer genießt den weiten Blick über den Ärmelkanal

Die Küstenlandschaft rund um Beer in Devon

Immer wieder kommen mir Spaziergänger entgegen, viele mit Hunden. Ein frischer Wind weht vom Meer, die Sonne tanzt auf den Wellen. Dramatisch kann auch lieblich sein, denke ich mir als ich die Klippen sehen. Ein wunderschönes Fleckchen Erde, doch ich muss weiter.

Zurück zum Parkplatz und dann mit dem Auto zurück auf die kleine Landstraße Richtung Westen.

Die Küstenlandschaft rund um Beer in Devon

Die Küstenlandschaft rund um Beer in Devon

 

Linksverkehr

Apropos Auto: Ich fahre links. Daran gewöhne ich mich recht schnell. Nur zwei Mal neige ich beim Abbiegen zu einem Rechtsdrall. Das Schalten mit der linken Hand empfinde ich als weitaus schwieriger. Mir fehlt das Gefühl, in welchen Gang sich er Schaltknüppel bewegt. Immer wieder leidet das Getriebe meines Corsas lautstark Qualen. Mir tut der Wagen leid.

Diese romantischen, kurvigen Landstraßen sind dabei hinterhältig: Ständig muss ich rauf und runter schalten. Auch hatten die Engländer die großartige Idee, ihre Landstraßen mit Hecken zu bepflanzen. So taste ich mich die Straßen entlang, denn Gegenverkehr sehe ich nur in letzter Minute. Dem einen Lastwagen weiche ich nur mit Mühe und engstem Kontakt zu einem Ginsterbusch aus. Gott sei Dank beschwert sich John, der Mitarbeiter der Mietwagenfirma im billigen Anzug, nicht über die Kratzer.

 

Exeter

Hübsch anzuschauen: das stolze Exeter mit seiner Kathedrale. Die Altstadt ist ein nettes Sammelsurium englischer Baustile der letzten fünfhundert Jahre. Ich stöbere durch eine Buchhandlung und trinke in einem Coffee Shop Milchkaffee.

Die Nacht verbringe ich an der Universität, die so herrlich kitschig nach England aussieht. Während der Semesterferien stehen die Studentenwohnheime Reisenden offen – eine coole, relativ günstige Art durch England zu kommen. In Exeter bin ich noch recht nah an der Innenstadt. Später in Bath ist die Uni weiter draußen und riesengroß. Dafür hat die Mensa einen Pizza-Stand und eine ziemlich loungige Bar, an der ich australisches Bier trinke. Englisches ist ja nicht genießbar.

Die Kathedrale von Exeter in England

 

Hunger

Das Essen der Insel hat nicht den besten Ruf – berechtigterweise, füge ich hinzu. Dabei ist es ja nicht so als wäre es tatsächlich schlecht. Es ist nur völlig geschmacksneutral. Ich bin dankbar für jeden Salzstreuer. Pfeffer suche ich häufig vergebens.

Dafür verliebe ich mich jedoch in Fudge, diese buttrig-zuckrige Schoko-Masse. Dass eine Sorte, die ich probiere, mit Whisky angereichert ist, schadet nicht… Das nette Pub in Exmoor hatte übrigens eine wunderbare Auswahl an besten schotten Whiskys. Ich fühle mich da pudelwohl und esse hier sogar richtig gut. Das einzige Mal in England (die besuchte Hochzeit eingeschlossen).

Devon Cream Tea mit Scones, Marmelade und Clotted Cream in Clovelly

 

Clovelly

Um das Fischerörtchen Clovelly im Norden Devons zu besuchen, zahle ich Eintritt. Am Parkplatz steht ein riesiger Souvenirshop, durch den alle Besucher durch müssen. Ich laufe den steilen Weg hinunter ins Dorf, das nett hergerichtet ist. Es sollen auch Menschen hier wohnen, was ich kaum spüre. Der Ort wirkt auf mich wie eine Puppenstube. Ich vermisse Leben.

Hübsch hergerichtet: Clovelly

Blick auf die Dächer von Clovelly

Die Straßen von Clovelly in Devon

In einer kleinen Teestube bestelle ich Cream Tea mit himmlischen Scones. Dann spaziere ich weiter hinunter zum Hafen. Ich kucke einmal aufs Wasser, links und rechts auf die bewaldete Küste… und weiß nichts mehr mit Clovelly anzufangen. Ich drehe um und gehe.

 

Lounge

Zufälle: Am Heathrow Airport treffe ich einen Bekannten aus München. Dieser reist häufiger geschäftlich. So lotst er mich in die Business Lounge von British Airways. Wir trinken Whisky und essen Kuchen – kostenlos. Als Eco-Flieger ist mir diese Klassengesellschaft nicht geheuer. Darauf hole ich mir ein zweites Glas Scotch.

Wir unterhalten uns gut, die Sonne steht tief über dem Flugfeld, und meine Reise durch den Südwesten Englands geht zu Ende.

 

Alle weitere Beiträge meiner Reise „Im Süden Englands“ findet Ihr hier.

 

 

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3 Gedanken zu „Notizen aus England

    1. Mhm … sicher, dass die englisch sind? Nicht irgendwas anderes? Nein?
      Mist. Dann hast du mich erwischt. ;)

      Ja – Scones sind großartig! … und dass man hierzulande so schwer bis unmöglich an Clotted Cream kommt ist echt schade.

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