Allein in der Welt

Eine neue Blogparade: Robin von Travel Forever stellt die Frage “Alleine Reisen, zu zweit oder als Gruppe?” In den letzten Jahren war ich häufig solo unterwegs. Das hatte seine Vor- und Nachteile. Genauso wie Reisen in Begleitung. Gibt es ein Optimum?

Ein paar Gedanken dazu von mir – aus New York, Seoul und Griechenland:

 

Lichter von Manhattan / New York City / Mai 2014

New York

Ich starre in meinen Drink. Scotch, ohne Eis. Neben mir spielt eine Japanerin am Klavier selbstkomponierte Stücke, zwei Jungs begleiten sie an Bass und Saxophon. In dieser kleinen Jazz-Kneipe im New Yorker Greenwich Village könnte ich mich wohlfühlen: Die Wände sind hinter hunderten von Fotos verborgen, das Licht ist gedimmt, die Barkeeperin ist eine robuste, schwarzhaarige Frau im T-Shirt. Links von mir unterhält sich verschworen ein Paar in Business-Klamotten. So wie sie mit der Wirtin sprechen, scheinen sie Stammgäste zu sein.

Ich sollte glücklich sein. Stattdessen fühle ich mich: allein.

Alleine bin ich in New York unterwegs. Besuche Museen und den Central Park, fahre mit der Staten Island Ferry und sehe ein Musical am Broadway. Doch jetzt in diesem Augenblick fühle ich mich miserabel.

Die Japanerin macht Pause. Ich leere mein Glas, zahle, und gehe. Es ist nicht mal neun Uhr abends…

 
Die Hochhäuser Seouls bei Sonnenuntergang. Gesehen vom Namsan Hügel.

Seoul

Weggehen in Seoul. Ich hasse Nachtclubs, das sieht mir auch jeder gleich im Gesicht an. Verbergen kann ich das einfach nicht. Dennoch schleppt mich Daniel mit. Jetzt steh ich in einer Ecke des viel zu lauten Ladens und begeistere mich über das kostenlose WiFi. Über WhatsApp schreibe ich mit Freunden zu Hause. Daniel sieht mich vorwurfsvoll an, mir ist das egal. Dann trinke ich ein Bier.
Um mich herum zappelnde Menschen. Ich will ins Bett. Doch ich darf nicht. Noch muss ich hier bleiben.

Wir ziehen in die nächste Bar weiter. Noch mehr Alkohol. Ist das ein Kronleuchter über meinem Kopf? Ist es 3 Uhr morgens, als wir im Taxi sitzen? Oder später? Ich weiß es wirklich nicht mehr.

Daniel hat mich aus meiner Komfortzone geholt. Das ist gut, das zwingt mich zu Erlebnissen, die ich sonst alleine nie gehabt hätte. Danke dafür.

Nachtclubs mag ich jedoch immer noch nicht.

 

Allein am Strand auf Korfu

Griechenland

Voller Kraft knallt die griechische Sonne auf meinen Körper. Bei der alten Frau, die mich von Tag zu Tag freundlicher anlächelt habe ich mir eine blaue Liege gemietet. Auf der verbringe ich meine Zeit, hier an diesem kleinen versteckten Strand irgendwo auf Korfu.

Ich bin allein, den ganzen Tag rede ich kaum ein Wort mit irgendeinem Menschen. Es ist herrlich. Stundenlang lese ich: Shakespeare und Max Frisch und sicherlich auch irgendwas wunderbar flach-unterhaltendes. Zwischendurch steige ich in das glasklare Meer. Fische schwimmen um meine Beine herum.

Dann zurück auf die Liege, meine Bücher weiterlesen. Am Abend gönne ich mir griechisches Bier in der Strandbar, und dann Essen in der immer gleichen Taverne. Ich tanke auf, bin ganz für mich selbst da.

Nach einer Woche sitze abends wieder mit Freunden in München zusammen – und freue mich.

 

Weitere tolle Beiträge zum Thema finden sich bei Travel Forever.

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Ein Gedanke zu „Allein in der Welt

  1. So wie dir in New York, ging es mir bei einem Florenzaufenthalt. Ich war alleine mal wieder dort und es schien, als seien außer mir, nur Pärchen unterwegs… schlimm, schlimm.

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