St. Ives: Von englischem Essen und alten Damen

“Yes, dear”, die adrette alte Dame hinter dem Tresen schneidet ein großes Stück von diesem herrlich klebrig-süßen Fudge für mich ab. “Would you like anything else, dear?”  Wie wohlig-warmes Öl läuft ihr “dear” an mir herab. Sie muss eine wunderbare Oma sein, denke ich mir. Ich bedanke mich artig und bezahle.

Vor der Tür des Ladens setze ich mich auf eine Bank, direkt am Hafenkai des kleinen Fischerortes St. Ives an der Nordküste Cornwalls. Touristen flanieren die hübsche Straße auf und ab. Ich öffne die Tüte und breche ein Stück Fudge ab, schiebe es in meinem Mund… zart, süß, himmlisch, ein purer Genuss. Geschmacksrichtung: Schokolade.
Mit Whiskey.

Abendspaziergang in St. Ives

Lebensmittelhändler in St. Ives

Der zweite Strand von St. Ives

 

St. Ives ist ein schöner kleiner Ort, mit verwinkelten Gassen, angenehmen Geschäften abseits der großen Marken und zahlreichen Lokalen und Cafés. Es ist ein Touristenort, ohne daran zu leiden. Ich kaufe Postkarten. Die Briefmarken bekomme ich bei einem Schalter der Royal Mail im örtlichen Spielwarenladen.

Zu Abend esse ich Pizza und trinke cornishes Bier. Der Wirt ist ausgesprochen nett, freundlich und höflich – so wie die allermeisten Menschen, denen ich in meiner Woche in England begegne. An Ausnahmen kann ich mich nicht mehr erinnern. Wir plaudern kurz. Die Pizza salze ich kräftigst nach. Nein, englisches Essen ist nicht per se schlecht. Nur erstaunlich fad ist es. Doch es gibt ja Gott sei Dank noch Fudge. Und Cornish Pasties! Mit allerlei Gemüse und / oder Fleisch gefüllte Teigtaschen. Ein äußerst üppiges Vergnügen.

Ein sündig gefülltes Cornish Pasty, eine Spezialität aus Cornwall

Ich spaziere weiter durch St. Ives, die Sonne geht gerade unter. Ich komme vorbei an den kleinen Sandstränden des Ortes – die dortigen Cafés stellen ihre Stühle zusammen, die nahen Restaurants sind gut besucht.

Sonnenuntergang über St. Ives

Oberhalb des Meeres gehe ich zurück zum Treloyhan Manor, mein Hotel für die Nacht: Ein stolzes Herrenhaus, mit weitem Garten, wie aus einem Agatha Christie Roman geschnitten. Ich zahle nur 35 Pfund pro Nacht und bekomme die Atmosphäre extra. Morgens beim Frühstück spielt christliche Musik. Dafür gibt es den Blick auf die Bucht und sehr aufmerksames, junges Personal.

Mein Mansion in St. Ives, Cornwall

Doch nun bin ich müde. Die Treppenstufen knarzen herrlich, als ich zu meinem Zimmer hinaufsteige. Ich lege mich zu Bett, decke mich zu, esse ein letztes Stück Fudge. Dann lösche ich das Licht.

 

Alle weitere Beiträge meiner Reise „Im Süden Englands“ findet Ihr hier.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s