Paris – Spaziergänge (zweiter Teil)

Küsse für Oscar Wilde / Eine Zunge für mich

Der Sommer liegt über Paris. Von meiner Bude ist es nicht weit bis zum gewaltig-großen Friedhof Père Lachaise. Die letzte Ruhestätte Edith Piafs übersehe ich, dafür stehe ich nun vor dem mit Lippenstiftspuren geschmückten Grabstein Oscar Wildes. An dessen Fuß hat jemand, unter anderem, ein Tütchen Gleitgel gelegt.

Paris-Impressionen: Der Grabstein von Oscar Wilde - überzeugen mit Lippenstift-Spuren

Meine Schritte führen mich durch das sympathische Belleville, welches abseits der Besucherströme liegt. Kleine Geschäfte und kleine Häuschen, ich sehe Gärten. Der schöne Park Butte-Chaumont ist mein Ziel. Von einem Hang aus blicke ich über viel Grün, einen kleinen Tempel – und dahinter gleißend weiß die Basilika Sacré-Coeur auf ihrem Hügel.

Im Gras schlafe ich ein. Da habe ich plötzlich eine Zunge im Gesicht. Eine hübsche Frau entschuldigt sich: ihr junger, sehr enthusiastischer Hund freute sich anscheinend sehr, mich zu sehen. Wir müssen lachen.

Paris-Impressionen: der kleine Tempel auf dem Berg im Park Buttes-Chaumont

 

Es ist zum Kotzen

Eine Sache, die mir in Paris richtig weh tut: überall Obdachlose, überall Bettler. Ich stecke mir ein paar Euro Kleingeld in die Hosentasche. Wenn ich schon so viel Geld hier lasse, so kann ich auch die ein oder andere Münze griffbereit halten.

Mich kotzt diese Armut an.
Mich kotzt an, dass wir nicht mehr dagegen tun. Banken gelten als systemrelevant – und was ist mit diesen Menschen? Was soll die Scheiße?
Ich befürchte, dass sich nichts ändern wird. Was kann ich tun?
Es ist zum Verzweifeln…

Paris-Impressionen: die prächtige Opera Garnier

 

Spielende Kinder, liebende Paare, der Eiffelturm – und Gertrude Stein

Ich verliebe mich neu in Paris. Da sitze ich nun im Jardin du Luxembourg. Auf dem kreisrunden Teich vor mir lassen Kinder kleine Segelboote fahren, rechts das hübsche Palais, geradeaus – hinter den Baumkronen – lugt der Eiffelturm hervor. Hier lese ich und betrachte die Menschen. Nach zwei Stunden gehe ich weiter.

Paris-Impressionen: zwei Spielzeugboote im Teich des Jardin du Luxembourg

Paris-Impressionen: Mutter und kleines Kind betrachten Enten im Teich des Jardin du Luxembourg

Paris-Impressionen: eine Dame sitz auf einem Stuhl im Jardin du Luxembourg und tippt auf ihrem Smartphone

Wie ein kleiner Junge freue ich mich, als ich in einer Straße dank Zufall das Haus entdecke, in dem einst die Schriftstellerin und Kunstsammlerin Gertrude Stein lebte. Autoren, Maler, Bildhauer und Poeten gingen hier ein und aus. Hemingway klopfte an diese Tür, genauso wie Picasso.

Am Fuße des Eiffelturms trinke ich ein Bier. Eine Schönheit ist er ja schon … Ich spaziere weiter: die Seine, das Grand Palais, der Place de la Concorde, die Rue de Rivoli. Im hübschen Garten des eleganten Palais Royal sitze ich im Schatten. Der ist heute nötig, es ist heiß. Auf der anderen Seite des Springbrunnens sitzt ein junges Paar. Ich kann nicht anders, als es zu beobachten.

Dann sehe ich Polizisten auf Rollerblades.

Es ist mein letzter Abend in Paris. Morgen nehme ich den Zug. Wenige Stunden später werde ich wieder zu Hause sein. Paris ist so nah, und doch – für mich – eine ganz eigene, fantastische Welt.
Ich verspreche mir selbst, häufiger zurückzukehren.

Paris-Impressionen: das Mittelteil des Eiffelturms

Paris-Impressionen: ein sich küssendes Paar hinter einem Springbrunnen am Palais Royal

 

 

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