Tour de France III – Tage am Meer

Mein erster Strand:
Saintes-Maries-de-Mér / Camargue

Laut brandet das türkisfarbene Mittelmeer an den unendlich weiten Sandstrand. Der Sand unter mir ist so warm … Der Himmel ist stahlblau, die gleißende Sonne auf ihrem höchsten Stand. Hinter mir, über dem flachen Land der Camargue, liegen dickbergige weiße Wolken.

In der Früh hatte ich in Arles den Bus nach Saintes-Maries-de-Mer bestiegen. Eine Stunde Fahrt durch die Camargue vorbei an Olivenhainen, Dörfern, Lagunen, und weißen Pferden. Einen Euro wollte der Fahrer dafür nur. Ich starre gebannt aus dem Fenstern.
Das Örtchen Saintes-Maries ist strahlend weiß. Ich wandere hinaus aus dem Ort, am Deich entlang. Rechts das Meer, links die Lagunen. Dort sehe ich Flamingos. Anfangs fotografiere ich noch jeden einzelnen von diesen bizarr wie schön aussehenden Vögel. Dann werden es mir zu viele. Ich beobachte sie nur noch. Besondern gern im Flug.

Ein knall-rosa Flamingo in der Lagune der Camargue

3 Pferde waten mit ihren Reitern durch die Lagune der Camargue

Ich gehe an den Strand, ziehe mich aus, springe in das noch nicht ganz warme doch auch nicht kalte Mittelmeer. Ich freu mich wie ein kleines Kind.

Der Strand ist fast menschenleer. Ich liege in der Sonne, Schatten gibt es nirgends. Ich höre nur die Wellen und gelegentlich den Ruf eines Vogels. Der leichte Wind treibt den noch leichteren Sand in jede Ritze, meine Schuhe sind bereits fast vergraben.

Ich vergesse die Zeit, bin entrückt. Ein so schöner Ort. Unendlichkeit am Mittelmeer.

Der weite, leere Strand der Camargue - im Vordergrund ein ausgebleichtes Stück weißen Treibholzes

 

Mein zweiter Strand:
die Dune du Pilat

Die kolossale Menge an Sand gibt unter jedem meiner Schritte nach. Tief sinken meine Füße ein; hundert Meter gilt es zu erklimmen. Dann stehe ich oben, auf diesem gelblichen, geruhsamen Giganten. Riesengroß ist er: die Dune du Pila. Frankreichs größte Sanddüne. 100 Meter hoch, 200 Meter breit, 3 Kilometer lang.

Zu Anfang stehe ich noch unter jeder Menge plappernder Besucher, einige Hunde, Schulklassen. Doch schnell ist die Düne einfach zu groß für die alle Menschenmassen. Ich bin allein, nur vereinzelt höre ich Stimmen, ansonsten den Wind. Hie und da noch ein Motorboot draußen auf dem Meer.

Der Blick von der Dune du Pilat auf den Atlantik: Menschen liegen im Sand, in der Ferne Sandbänke im Wasser

Segelflieger steigen von der Düne empor, lassen sich von den Winden in die Höhe treiben. Bunt hängen sie am Himmel. Irgendwann möchte ich das auch einmal versuchen.

Ich sitze auf warmen Sand. Die Düne ist stets in Bewegung, nie ruhig, sie wächst, sie verschlingt. Unter mir unvorstellbare Mengen Sand. Ob all dieser Sand unter seinem eigenen Gewicht einmal zu Fels wird? Werden das einst einmal die Klippen von Pilat? Wer wird sie dann so nennen? Mein Verstand weitet sich, und ich kann nicht begreifen.

Vor mir das Meer, Sandbänke, Boote, dahinter der offene Ozean – der endlose Atlantik. Auch er eigentlich zu unfassbar für einen einzelnen Menschen. All seine Größe, seine Tiefe, seine Gefahren, seine Ungeheuer …

Gräser auf der Dune du Pilat - unscharf im Hintergrund: ein aufsteigender Segelflieger

Gräser auf dem Sand der Dune du Pilat, der Atlantik im Hintergrund

 

Mein dritter Strand:
Ile de Ré

Mir ist im Augenblick, als sei genau dieser Strand der schönste auf meiner Reise durch Frankreich. Die Ile de Ré vor La Rochelle, langgezogen und flach. Hier am Wasser ist es ruhig, kaum Menschen, wieder viel weißer Sand. Selbst die Wellen rollen ganz sanft und friedlich heran, wie an einem See. Der mächtige Atlantik strahlt türkis. Noch ist Ebbe. Das letzte Mal Meer auf dieser Reise …

Mit dem Bus fuhr ich von La Rochelle aus hierher, in das Hafenstädtchen St. Martin. Zu Fuß überquerte ich die Insel nach Süden. Kurz hatte ich daran gedacht, mir ebenfalls wie so viele hier ein Fahrrad zu leihen. Doch habe ich im entscheidenden Moment dann keine Lust dazu. Den Pulks an Radlern ausweichend, suche ich mir stille Feldwege. Ich komme vorbei an Weinstöcken, Mohnblumen, Kartoffeläckern, Gemüsegärten, arbeitenden Bauern. Die Insel lässt sich von der Sonne verwöhnen…

Mohnblumenfeld in voller roter Blüte auf der Ile de Ré

Bunte Fähnchen überspannen die Straße von Courade, auf der Ile de Ré - im Hintergrund: der Kirchturm des Dorfes

Ich erreiche das hübsche Dorf Courade an der Südküste. Es ist Markt, buntes Treiben, einige Touristen. Doch noch ist Nebensaison. Hier gehe ich an den Strand. Ich döse, lese Hemingway, lasse meine Gedanken treiben. Gerne möchte ich mehr Zeit auf der Ile de Ré verbringen. Welch traumgleicher Ort.

Die Flut kommt. Das Meer wird lauter, kräftiger treffen die Wellen auf den Strand.

Blick über Dünen und Büschen hinüber auf den Strand der Ile de Ré - dahinter glänzend blau der Atlantik

Der fast einsame Strand in der Nähe von Courade, Ile de Ré

Zurück nach St. Martin. Dort kaufe ich mein allererstes Tim & Struppi Comicbuch, auf Französisch, in einem Laden, der nur Tim & Struppi Produkte verkauft. Dem Laden gegenüber, direkt am kleinen Hafen, setze ich mich in ein Straßencafé. Kurz nach sechs fährt der letzte Bus zurück nach La Rochelle. Ein bisschen Zeit bleibt bis dahin. Ich bestelle ein Glas Weißwein und möchte nicht gehen …

Abgestellte Fahrräder am kleinen Hafenbecken von St. Martin auf der Ile de Ré

Kapitän Haddock aus Tim & Struppi blickt mit einem Fernglas aus dem zweiten Stock oberhalb des Comicladens in St. Martin, Ile de Ré

 

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3 Gedanken zu „Tour de France III – Tage am Meer

  1. Die Gegend um La Rochelle und speziell die Ile de Ré fand ich auch traumhaft. Dein Bericht hat alte Erinnerungen geweckt. Ich würde gerade am liebsten meine Sachen packen und losdüsen. ;) Danke für den schönen Bericht und die traumhaften Fotos!

  2. Die Dune du Pilat und der Cap Ferret sind zwei wunderschöne Orte. Habe dort fast 15 Jahre gelebt. Die Dune wurde mit den Jahren immer größer und schöner. Wunderschöne Bilder. 😉

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