Tour de France I – Von Straßburg nach Lyon

Frankreich ist schön. Das Elsass, die Rhone, die Provence. So oft ändert dieses Land sein Kleid, gibt sich elegant und lebensfroh. Eine Woche habe ich, um dieses Mal mehr zu sehen als nur Paris. La France im Schnelldurchlauf. Bezaubernde Städte, malerische Landschaften, großartiges Essen. Jetzt will ich mehr.
Aber der Reihe nach.

Die Silhouette von Straßburg vom Wasser aus: Zwei Wachtürme, durch eine steinerne Bogenbrücke verbunden; dahinter die Altstadt und in der Ferne erhebt sich das Münster

Straßburg

Bilderbuch-Europa ist diese Stadt. Goldenes Nachmittagslicht durchdring die alten Pflasterstein-Gassen. Fachwerkhäuser, mit rot-strahlenden Geranien auf den Fensterbänken, Cafés, Kanäle und auf den Plätze sitzen Menschen mit Zeichenblöcken. Sie skizzieren mit flinker Hand die Schönheit Straßburgs. 
Ich bin fasziniert und begeistert, wandere fröhlich ohne Ziel durch die Stadt. Das Münster ist stolz und filigran, ein wenig wie ein Gedicht. Im Inneren fällt warmes Licht durch die prächtigen Buntglasfenster, Touristen drängen sich zwischen Hauptschiff und Seitenaltaren. Ich gehe weiter durch die Altstadt, biege links auf eine Hauptstraße – und stehe mitten in der Strasbourg Pride Parade. Von Trucks donnert laute Elektro-Musik. Drumherum fröhliche, tanzende Menschen. Ausgelassenheit. 
Ich will Kuchen.

Die Front des Straßburger Münster vor blauem Himmel

Den bekomme ich einem kleinen Salon de Thé. Statt Erdbeer sitze ich vor einer Blaubeer-Tarte. Weil mir in dem Moment des Bestellens das französische Wort für Erdbeere (“fraise”) nicht mehr einfallen will, es liegt mir auf der Zunge. Und der Kellner “strawberry” mit “blueberry” verwechselt. Schwamm drüber. Die Tarte schmeckt wunderbar, dazu gibt’s ein Kännchen Darjeeling.
Am Nebentisch sitzen zwei ältere deutsche Damen. Aus der Pfalz, wie ihre Stimmen verraten. Viele Menschen besuchen diese großartige Stadt.

Fachwerkgasse - eine Lampe hängt zwischen zwei alten Häusern

Weiter ziellos. Geschäfte, Touristenlokale, Studenten, verliebte Paare, Rentnergruppen, Straßburger, die noch letzte Einkäufe erledigen. In einer völlig unscheinbaren Bar esse ich den besten Flammkuchen meines Lebens: leicht, dünn wie Papier, eine sämige Creme fraiche, ein sehr feiner, salziger Speck – ich präge mir den Geschmack genau ein, will ihn nicht vergessen. 
Wieder geht mein Blick auf den Nachbartisch: zwei Paare, junge Eltern. Das Töchterchen der einen rennt glücklich die Gasse auf und ab, das Kind der anderen liegt noch selig in seinem Kinderwagen.

Ein knuspriger, hauchdünner Flammkuchen mit Speck

 

Lyon

Ich tu Lyon unrecht, das merke es sofort. Mein Zug ging um 6 Uhr früh, hier nieselt es jetzt leicht, ich bin müde und schlecht gelaunt. So kann ich dem so stattlichen Lyon nicht gerecht werden. Lyon hat mehr verdient, wird mir schnell klar, vereint es doch so wunderbar das moderne, das klassische und das mittelalterliche Frankreich in einem: Ankunft am modernen Fernbahnhof, drumherum Hochhäuser, Einkaufszentren und brandneue Straßenbahnen, die eher über den Asphalt zu schweben scheinen als zu fahren.

Zwischen den Flüssen Rhone und Saone erstreckt sich das klassische Zentrum der Stadt: stolze Häuser und Palais aus Empire und Belle Epoque, breite Boulevards, elegante Plätze. Immer wieder regnet es. Für meine Kamera ist das schlecht, ich mache kaum Fotos, und trabe missmutig durch diese schöne Stadt. Lyon ist Geburtsort von Paul Bocuse, Frankreichs bekanntester Koch-Legende. Ich esse bei McDonald’s.

Der Einkaufsboulevard von Lyon an einem Sonntag: fast verlassen

Das Art-nouveau-Dach eines Kiosk dahinter eine klassische Häuserfassade mit 3 Fenstern - in einem klebt das Bild eines weißen Mikroskopes

Die klassischen Gebäude des 19. Jahrhunderts spiegeln sich in der gläsernen Fassade eines modernen Hauses

Jenseits der Saone liegt das mittelalterliche Lyon. Mit kleinen Gassen, Kirchen und hunderten von Lokalen, hier “Bouchon” genannt. Was so viel wie “Korken” heißen soll. Die vielen Tische sind voll besetzt, geschwätziges Treiben. Ich bin einfach nur müde und verirre mich kurz darauf in den Gassen auf dem Hügel hinter dem Rathaus.

Lyon hat eine zweite Chance verdient, das verspreche ich ihm. Doch jetzt weiter mit dem Zug, nach Süden. Vorbei an Rhone und Weinbergen.

 

Lest nun Teil 2: Arles, Bordeaux und La Rochelle

 

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3 Gedanken zu „Tour de France I – Von Straßburg nach Lyon

  1. Ein sehr toller Bericht. Ich freue mich auf die Fortsetzung. Das Elsass habe ich auch schon besucht und den Flammkuchen als extralecker in Erinnerung.

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