Korea & Japan: Randnotizen

Dreieinhalb Wochen war ich in Südkorea und Japan auf Reisen. Von Seoul bis Tokyo. Diese Länder bieten so viel, sie sind spannend, sie begeistern mich.

Ein paar Notizen noch, zum Schluss, die ich am Wegesrand gesammelt habe …

 

    • Seoul’s musikalisches Highlight verbirgt sich im Untergrund: Ich stehe an der U-Bahn, da bimmelt es fröhlich – der Zug fährt gleich ein. Ein, zwei Stationen fahre ich und es bimmelt erneut so fröhlich, so unschuldig. Immer und immer Musik, immer und immer dieses fröhliche Gebimmel.
      Seoul’s U-Bahn hinterlässt eine unverwechselbare, musikalische Erinnerung. Und höre ich Jahre später wieder diese Melodie, so kann ich nicht anders: ich muss lachen.https://www.youtube.com/watch?v=A9QXIIsP28w

 

  • Mein Hotelzimmer in Seoul hat kein Fenster. Dafür eine gemusterte Tapete mit kräftig-pinken Mohnblumen drauf. Sie ziert auch die Zimmerdecke. Die Tür zum Treppenhaus ist aus Stahl. Eine handtellergroße Kakerlake leistet mir Gesellschaft. Ich nenne sie Bertie.
    Zumindest schlafe ich sehr gut. Ein Vorteil, wenn Tageslicht eine ferne Erinnerung ist.

Hotelzimmer: Zwei Wände mit gleicher Tapete: weiß mit Muster von pinken Mohnblumen. Auch die Decke ist so tapeziert. Rechts das Ein-Mann-Bett, links eine Kommode, darüber ein einfacher Spiegel

    • Es bimmelt schon wieder. Dieses Mal in unserem Motel am Seoraksan Nationalpark. Die gläserne Schiebetür öffnet sich und es spielt eine grausige Bimmelversion von it’s a small world. Links steht ein grellfarbenes Aquarium. Am Abend nach unserer Wanderung betrinken wir uns auf unserem Zimmer mit koreanischem Schnaps.

 

  • Nochmal zur Seouler U-Bahn: die Stationen dienen auch als Luftschutzbunker. Bis zum Norden ist es nicht weit. Immer wieder bemerke ich in der Stadt junge Männer in Soldatenuniformen auf.
 Mir scheint, das Trauma des Krieges und der Teilung wirkt immer weiter fort. Eine Wunde, die nicht heilen kann.

U-Bahn Station in Seoul: ein langer Gang, rechts Glastüren, die sich öffnen wenn ein Zug dort steht.

    • Beim Mittagessen im Tempel von Beomeosa spricht mich ein alter Mann in einem abgetragenen braunen Anzug an. In bruchstückhaftem Englisch. Woher ich komme. Er wolle einen Freund in Deutschland. Er sei Wahrsager, und wie die Deutschen dazu stünden. Er will meine Adresse. Das ist mir zu bizarr. Ich winde mich heraus, fühle mich dann schlecht. Mist.

 

  • Darf ich nun Japans Shinkansen loben? Wohlig versinke ich in den Sitzen. Ich hab so viel Beinfreiheit, dass sogar mein Reise-Rucksack noch locker zwischen meine Füße und Vordersitz passt. Doch dass muss er ja gar nicht. Ich verstaue ihn in der Gepäckablage über mir. 
Es gibt Getränkeautomaten (wie überall in diesem Land), und wenn die adrett gekleidete Zugbegleiterin einmal durch den Wagon gegangen ist, dreht sie sich zu uns Reisenden einmal um, und verneigt sich.
 Ein Erlebnis. Auf die Sekunde genau sind wir pünktlich.

Die formschöne Spitze eines weißen Shinkansen-Zugs, im Bahnhof stehend

    • Noch eine Zugbeobachtung: in Nagoya verfolge ich staunend, wie eine Putzmannschaft in wenigen Minuten den Regionalzug nach Nagano blitzblank herrichtet. Zum Schluss drehen sie die Sitzbänke in Fahrtrichtung. Ich bin verblüfft.

 

    • Yoshi – und ich bekomme bei dem Namen Super Marios drolligen Reit-Dino nicht aus dem Kopf – erklärt uns in Kyoto den Sinn der japanischen Love Hotels: Japans Wohnungen sind klein, die Wände dünn. Mit Sex tut sich da das Durchschnittspaar schwer. Also erlauben sich Mama und Papa hin und wieder außer Haus ein schönes Abendessen und danach ein, zwei Stunden in einem der vielen Love Hotels. Es sei ihnen gegönnt.

 

  • Der Münzwaschsalon in Kyoto ist in einer alten Garage unweit des Kabuki-Theaters eingerichtet. In der Ecke steht ein alter, brauner Schaukelstuhl. Während meine Wäsche nach zwei Wochen Reise läuft, nehme ich Platz, schaukle hin und her, und lese Murakami. Was mir passend erscheint. Ich bleib allein, schaukle, und im Hintergrund trommelt meine Wäsche.

Eine Reihe von Münz-Waschmaschinen in einem einfachen Waschsalon in Kyoto

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4 Gedanken zu „Korea & Japan: Randnotizen

  1. Also ein Zimmer ohne Fenster finde ich schon etwas gewöhnungsbedürftig. Und auf Bertie kann ich ebenfalls verzichten. Wie lang hast Du’s darin ausgehalten?

  2. 3 Wochen für Japan UND Südkorea? Dann musst Du unbedingt wieder hin! Ich war alleine 4 Wochen in Japan und habe bei weitem nicht alles gesehen!
    Gute Reise
    Ulrike

    1. Ich weiß. :/ War alles sehr knapp.
      Damals lebte ein Freund von mir für einige Monate in Seoul, den wollte ich besuchen.
      …und gleichzeitig wollte ich unbedingt endlich nach Japan. Da blieb nicht viel Zeit für jedes der Länder. Leider.

      Aber: beide stehen ganz weit oben auf meiner „Muss-ich-wieder-hin!“-Liste :D

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