Disney in Japan (2): Tokyo DisneySea

Mittlerweile ist die Sonne über diesem kleinen italienischen Hafenstädtchen untergegangen, die Straßenlaternen brennen und aus den zahlreichen Fenstern dringt Licht. Auf der Terrasse eines Cafés sitzend, gönne ich mir nach dem langen Tag Schokoladenkuchen und Rotwein. Mein Blick wandert über die nahe Lagune zu dem Vulkan, der gerade mit Donnergrollen Feuer spuckt.

Japanische Paare, Mädchengruppen und Familien mit müdem Nachwuchs und Mickey Mouse Ballons streifen an mir vorbei, dem Ausgang zu.
Ich versuche zu begreifen, wo ich bin.
Die Illusion ist perfekt: Tokyo DisneySea.

Ein Freizeitpark, sicher, direkt neben seinem etwas älteren Nachbarn, dem Tokyo Disneyland. Auf seine Weise aber auch ein Meisterwerk, ein verblüffender und einzigartiger Vergnügungsgarten. Ein modernes Versailles, ein Sanssouci. Mit Mickey Mouse und Shows, ja, auch Fahrgeschäften. Doch der Star des ganzen ist die Gestaltung, die Illusion.

Links: der neogothische Tower of Terror, rechts: der schwarz-weiße Überseedampfer S.S. Columbia (Tokyo DisneySea)

Minnie Mouse und Mickey Mouse

Detail am italienischen Hafen: ein violetter Sonnenschirm, auf dem weiß Miramare geschrieben steht

Große Show auf der Lagune vor italienischer Kulisse: mit Wasserfontänen und Booten, auf denen Drachen-Puppen stehen

Neben dem italienischen Hafenstädtchen erstrecken sich die Straßen New York City’s, wie es vor hundert Jahren hätte sein können und nie war. Mit Broadway-Theater, ratternder Hochbahn, und einem Hafen mit Transatlantik-Dampfer, die S.S. Columbia, die bald in See zu stechen verspricht. Eine Weile sitze ich dort Apple Cinnemanon Popcorn kauend an den Docks, wo weitere Boote liegen, und lausche dem Gekreische der Seemöwen. Nur um schließlich festzustellen, dass nirgendwo eine einzige Möwe zu sehen ist.
Everything is part of the Show.

An Bord der Columbia finde ich meinen persönlichen, fast versteckten Lieblingsort: die Teddy Roosevelt Lounge, eine Bar in dunklem Holz, gediegener Swing-Musik im Hintergrund, und überaus zuvorkommenden Servicekräften. Ich bestelle ein Glas 14-jährigen Scotch, und dann noch eines. Ich trinke Whisky, in einer Bar, an Bord eines Ocean Liners, in einem Disney Park, in Japan.
Manchmal gilt es ein paar Schritte zurückgehen, um zu begreifen.

Sindbad's Storybook Adventure: die Figur von Sindbad öffnet mit einer übergroßen Feder eine Verlies-Tür, hinter der ein grüner Riese wartet

Ich entdecke weiter: tief im Dschungel eine Maya-Pyramide, in der ich mit Indiana Jones Abenteuer erlebe. Im Herzen des Vulkans Kapitän Nemos Nautilus, der hier Geheimnisse aus der Welt Jules Vernes entschlüsselt. Das Unterseekönigreich von Arielle, der kleinen Meerjungfrau.
In der hinteren Ecke eines arabischen Basars finde ich Sindbad’s Storrybook Adventure. Schnell sitze ich in einem Boot, die freundlichen Mitarbeiter lachen mir zu, und schon ist mir, als bewege ich mich nun in den Bildern eines Märchenbuchs. Ich begleite Sindbad auf seinen Reisen, zum Vogel Rok, zu Riesen und zu Piraten, in ferne Länder. Dazu schwillt Musik wie aus einem sorglosen 60er Jahre Filmmusical immer wieder an. Ich bin verzaubert.

Tokyo DisneySea erinnert mich, warum ich mich so gerne Walt Disney’s Illusionen hingebe. Diese Welt hier ist von Meisterhand geformt. Die Gebäude, die Musik, der Zauber, das alles ist ein Kunstwerk.

Als einer der letzten Gäste des Tages, und mit etwas schwerem Herzen, verlasse ich schließlich dieses Wunderland, und kehre zurück in dieses andere Wunderland, namens Tokyo

Im Inneren des Vulkankraters: hier liegt Kapitän Nemos U-Boot, die Nautilus

Meine Tokyo DisneySea Top 7 :

  1. Sindbad’s Storybook Adventure – Märchenfahrt durch 1001 Nacht
  2. Indiana Jones and the Temple of the Crystal Skull – mit einem Jeep geht es tief in einen alten Maya-Tempel
  3. Teddy Roosevelt Lounge – exzellente Bar an Bord eines Ozeanriesens. Für die ruhige Pause zwischendurch.
  4. „Big Band Beat“ – schmissige Broadway-Show
  5. 20,000 Leagues Under the Sea – auf Tauchfahrt mit Kapitän Nemo
  6. „Fantasmic!“ – allabendliches Spektakel
  7. Sich Zeit nehmen! – einfach hinsetzen, und die Atmosphäre wirken lassen
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