Der Zauber von Kyoto – Teil 1

Warum ich mich in Kyoto, diese alte japanische Kaiserstadt, verlieben werde, das ist mir in den ersten Momenten noch nicht klar.

Verloren stehe ich in diesem monumentalen Bahnhof. Einer Kathedrale von Riesen gleich, schwingt sich das glasüberspannte Atrium gut zehn, elf Stockwerke in die Höhe.
Mich überwältigt das alles ersteinmal. Wo muss ich hin? Ich frage tatsächlich in der Touristen-Info nach. In brüchigem, freundlichem Englisch versucht mir eine Dame das Busnetz Kyotos zu erklären. Das wird dadurch nicht einfacher, dass es gleich mehrere private Busgesellschaften gibt.

Der Bahnhofsvorplatz sieht so tragisch aus wie häufig überall: modern, Beton, viel Verkehr. Ich finde meine Haltestelle, reihe mich in die ordentliche Schlange der Wartenden. Als der Bus kommt, steigen wir alle durch die hinterste Türe ein. Beim Aussteigen zahle ich dann vorne beim Fahrer.

Ich stehe zwischen funkelnden Kaufhäusern, ein McDonald’s, ein Coffee House, ich soll nach rechts gehen, einmal über die Brücke.
Dann bin ich im alten Geisha-Viertel Gion, und verfalle Kyoto.

Die Altstadt von Kyoto mit ihren Gassen und Laternen, bei Regen, am Abend

 

Fushimi Inarii – Willkommen in einer anderen Welt

Ruhe. Ein Zauber liegt über diesem Ort. Ich höre nicht mehr als das Zwitschern von Vögeln und meine eigenen Schritte auf den steinernen Pfaden. Über mich spannen sich abertausende von torrii, kräftig-rote Tore. Schwarze, für mich geheimnisvolle Schriftzeichen schmücken sie. Ich bin in einer anderen Welt.

Einer der schönsten Orte, den ich je sehen durfte: Fushimi Inarii.

Die von torii überdachten Wege führen den Berg hinauf, im Schatten eines friedlichen Waldes. Millionen Götter, gute Geister und Dämonen bevölkern die japanische Sagenwelt. Hier will ich fast an diese glauben

Ich bin alleine, nur wenige andere Besucher kommen mir entgegen. Nicht viele scheinen den ganzen Weg bis zum Gipfel zu gehen. Ein verstecktes Teehaus, und kleine Schreine. Auf einem verwunschenen, sonnenbeschienen kleinen Friedhof ruhe ich mich aus.

Ich finde Frieden mit mir selbst.

Rote torii Tore im wunderbaren Fushimi Inarii Schrein in Kyoto

Rote torii Tore im wunderbaren Fushimi Inarii Schrein in Kyoto

Rote torii Tore und Wald im wunderbaren Fushimi Inarii Schrein in Kyoto

 

Von Tempeln und spazierenden Philosophen

Vergessen ist der erste Eindruck, den ich von Kyoto gewann.
Ich besuche kleine Tempel mit verzaubernden Gärten, besichtige erhabene Paläste und spaziere durch jahrhundertealte Gassen.
Kyoto ist schön, gelassen, und satt an Geschichte.

In Ginkakuji, dem Silbernen Haus, einer kleinen Tempelanlage, stoße ich zum ersten Mal auf die Schülermassen, die durch Kyotos Kulturschätze gejagt werden. Freundlich, zuvorkommend, aber eben in Massen. Ich arrangiere mich. Das Silberne Haus ist hübsch, und ich trinke einen eisgekühlten Grünen Tee. Das muss dann nicht noch einmal sein.

Ginkakuji, das Silberne Haus - ein Tempel und seine gepflegten Gärten in Kyoto, von oben

Geschäft mit rotem Sonnenschirm an Kyoto's Philosophenweg

Rot-goldene Koi-Karpfen glitzern im Sonnenlicht, das auf den Kanal an Kyoto's Philosophenweg fällt

Einem schmalen Kanal folge ich, in dem glitzernde Koi-Karpfen schwimmen. Philosophenweg nennt sich dieser Pfad, auf dem einst japanische Dichter und Denker gewandelt sein sollen. Mir fehlt ein Café, ich habe Hunger.

Am Ende des Weges gelange ich, ohne es geplant zu haben, zu Eikan-Do. Dieser soll mein Lieblingstempel werden. Ich bin in der Stimmung dafür. Die Gebäude und Pavillons liegen direkt an den grünen Hügeln, die Kyoto sanft umarmen. Die Pagode versteckt sich etwas erhöht hinter den Bäumen. Eine herrliche, stille Anlage – bis auf das frohe Geschrei der Kinder der benachbarten Schule. Mir gefällt es hier. Ein perfekter Ort.

Eine Pagode in einem der Tempelgärten von Kyoto

Kleine, versteckte Steinfiguren im Garten des Eikan-do Tempels in Kyoto

Ich gehe weiter zum nächsten Tempel, Nanzenji, mit seinem imposanten Eingangstor und dem backsteinernen Aquädukt. Ich bin verzaubert, und unendlich müde. Tempelmüdigkeit. Ich setze mich in die goldene Abendsonne vor dem Tempel, und schreibe Postkarten.
Fortsetzung folgt

–Mai 2013–

Alle Beiträge meiner Korea & Japan Reise 2013 findet Ihr hier.

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4 Gedanken zu „Der Zauber von Kyoto – Teil 1

  1. Da werden Erinnerungen wach! Ja, Kyoto ist schön, eine ganz besondere Stadt! Ich war 1991 dort. Da gab es den großen Bahnhof noch nicht. Aber die Tempel und Schreine! Der Tempel von Inari hat auch mich ganz besonders beeindruckt!
    LG
    Ulrike

    1. Oh, Japan ist sicherlich immer wieder eine Rückkehr wert!
      Hab beim Schreiben nochmal im Lonely Planet geblättert und schon wieder so viele Ideen (und Sehnsüchte…) im Kopf. :)

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