Korea & Japan: das Vorspiel

Ob ich Marihuana an mir hätte fragt mich der japanische Zollbeamte, der sich gerade freundlich durch meine ungewaschenen Unterhosen wühlt.

Nein, ich bevorzuge Alkohol. Was beides der Wahrheit entspricht. Ist das jetzt der Ansatz eines Lachens auf dem Gesicht des Japaners?

Ich schau auf die Uhr, die rechts in der sonst kahlen Einreise-Halle hängt. Dauert dies noch lang, so werde ich wohl doch den Zug verpassen und eine Stunde warten müssen. Ich bin müde.
Willkommen in Fukuoka, Japan. Mit der Speed-Fähre bin ich gerade aus dem koreanischen Busan gekommen. Von hier aus will ich weiter durch Japan reisen.

Der Zöllner ist fertig, er hat genug Fragen gestellt und den Inhalt meines Rucksacks auf dem Metalltisch vor uns ausgeleert. Nun hastig zusammenpacken, ich stopfe alles wieder zurück in die Tasche, ohne groß nachzudenken. Dafür mangelt es an Zeit. Ich bin sein letzter Kunde für heute, vielleicht war ich auch der einzige Westler. Auf dem Boot waren sonst nur Asiaten. Er hat nun Feierabend. Auf dem Parkplatz vor dem Fährterminal winken wir uns nochmal zu.

Ich schleppe mich durch die dampfige Hitze Fukuokas, schwitze. Der Bahnhof ist zu Fuß etwa 30 Minuten entfernt, das Taxi will ich mir sparen. Dort angelangt zeige ich meinen bereits in Deutschland erworbenen Japan Rail Pass vor und sitze kurz darauf im so eleganten wie geräumigen Shinkansen nach Hiroshima. Mir ist, als wäre ich in einer anderen Zeit.
Es ist Mai 2013.

Wie kam ich nun hierher? Und warum? Wohin führt mich noch mein Weg?

In den nächsten Wochen will ich Euch mitnehmen auf meine dreiwöchige Reise durch Korea und Japan.

Die farbenfrohen Verzierungen am Königspalast in Seoul

Der Auftakt

Japan.
Allein der Klang dieses Namens erfüllte mich schon seit so langem mit Sehnsucht. Ein Traumziel, für mich.

Als Daniel im Herbst ankündigt, er wolle ab Januar mehrere Monate nach Seoul, ob man ihn denn nicht besuchen wolle, da bin ich elektrisiert, und ein langgehegter Traum beginnt Gestalt anzunehmen. Daniel ist ein guter Freund, kleinere Reisen sind wir bereits gemeinsam angegangen.
Der Entschluss ist schnell gefasst: ich werde ihn in Korea, diese noch größere Unbekannte, besuchen.

Und bei der Gelegenheit gleich weiter nach Japan reisen.

Werbetafel: der DeLorean aus Zurück in die Zukunft trifft japanische Tradition

Die Sache mit dem Transport

Flüge sind schnell gefunden:
 Mit der Lufthansa geht es direkt von München nach Incheon, dem internationalen Großflughafen von Seoul.
Dreieinhalb Wochen später werde ich den Kranich auch wieder direkt von Tokyo-Narita zurück nach München nehmen.
860 Euro kostet mich das. Für einen Gabelflug kein schlechter Preis für die Strecke, finde ich.

Natürlich: es hätte auch günstiger gehen können. Doch meine Begeisterung am Golf, in Moskau oder irgendwo in der Volksrepublik China umzusteigen, hält sich in Grenzen. 
Direkt ist doch wesentlich angenehmer, die paar Euro mehr leiste ich mir, und wundere mich, denn noch ein paar Jahre vorher hätte ich koste es was es wolle die billigste Verbindung gewählt.
Vor Ort selbst will ich mich auf Bahn, Bus und Schiff verlassen. 
Das wird auch gut klappen.

Zum malerischen Seoraksan Nationalpark gelangen wir von Seoul aus mit dem Fernbus; dorthin wird mich Daniel begleiten. Danach reise ich alleine. Von Seoul in die südliche Millionenstadt Busan nehme ich den Zug: einen TGV, der hier nicht so heißt, sondern KTX Train.

Nach Japan will ich mit der Fähre übersetzen, das hab ich mir in den Kopf gesetzt. Es gibt eine Tragflügel-Fähre, die mich verhältnismäßig rasend schnell in nur 3 Stunden von Busan nach Fukuoka bringt. 
Man sitzt dabei bequem. Es gibt Bordentertainment, es läuft ein Michael Bay Schlachtengemälde. Also höre ich Musik und erblicke irgendwann im Dunst die Hügel der japanischen Insel Kyushu. 
Die Tickets für die Fähre kann ich über aferry.de schon in Deutschland buchen. 
Am Fährhafen von Busan will die freundlich lächelnde (dort lächeln alle freundlich) Dame von der Fährgesellschaft allerdings in bar noch 27.000 koreanischen Won für Kerosinzuschlag und Gebühren. Mist. Ich muss noch ein letztes Mal Geld abheben.

Für Japan organisiere ich mir den Rail Pass. Die 7-tägige-Variante sollte reichen. Danach bin ich in Tokyo, für dessen Gewirr an U-Bahnen der Pass auch gilt, sich aber preislich nicht mehr lohnt. Dort werde ich mir eine “Suica Card” besorgen, die ich mit Yen aufladen kann, um dann Bahnen und Busse in Tokyo zu nutzen. Seoul hat übrigens ein ganz ähnliches System.
Den Japan Rail Pass muss ich schon in Deutschland buchen, im Land selbst gibt es den nicht. Ich wähle ein Reisebüro worüber ich auch gleich das Ticket für das Studio Ghibli Museum bekomme. Denn das will ich in Tokyo besuchen.

Der Rail Pass gilt fast überall in Japan. Nur die extra-schnellen Shinkansen kann ich nicht nehmen, doch die restlichen genügen völlig. Der Shinkansen ist eine wahre Freude: unanständig viel Beinfreiheit, entspannend, und auf die Sekunde pünktlich. Immer noch strahlt er einen Hauch von Zukunft aus. Wie ganz Japan. 
Ein paar private Bahnlinien akzeptieren den Rail Pass nicht. Für den D-Zug auf der Strecke Nagoya – Matsumoto – Nagano muss ich extra zahlen.

Fazit: Korea und Japan lassen sich wunderbar mit Zug und Bus erkunden.

Eine grellfarbene Comicfigur wirbt für eine der vielen Videospielhallen in Tokyo

Japanische Schriftzeichen auf Papierstreifen in einem kleinen Lokal in Tokyo

Der Plan

Ankunft in Seoul am Donnerstag, den 9. Mai 2013.
Ich werde 4 Tage bleiben. Einen brauche ich alleine, um mit dem Jetlag klar zu kommen.

2 Tage sind mit Daniel für den Seoraksan Nationalpark geplant. Dann Rückkehr nach Seoul, am folgenden Morgen weiter nach Busan. 

Dort bleibe ich alles in allem 3 Tage. Eine Nacht will ich in einem buddhistischen Tempel verbringen (was nicht so laufen soll, wie gedacht). Dann geht es mit der Fähre nach Japan.

Ein Tag Hiroshima, am Abend Weiterfahrt nach Kyoto. Für die alte Kaiserstadt habe ich 3 Tage vorgesehen. An einem davon fahre ich für ein paar Stunden in das nahe Osaka, dort will ich das Aquarium besuchen. Denn da schwimmt ein Walhai.

Einen knappen Tag brauche ich für die Fahrt von Kyoto nach Nagano, wobei ich einige Stunden in Matsumoto Halt machen werde.

Am folgenden Morgen nehme ich die Bummelbahn in die japanischen Berge, in die Kleinstadt Yudanaka. Von wo aus ich einen quirligen Bach entlang die kurze Strecke nach Shibu Onsen zu Fuß gehe. 
Zwei Nächte bleibe ich dort in einem traditionellen japanischen Gasthaus, einem Ryokan. Ich tauche nackig in heiße sauheiße Quellen und besuche Affen.

Dann endlich Tokyo. Insgesamt 6 Tage, von denen ich 3 im Tokyo Disneyland verbringen mag. Ein weiterer Herzenswunsch. Nur noch Hong Kong fehlt, dann sind alle Disneyländer besucht. Doch bald eröffnet Shanghai.
Am Sonntag, den 2. Juni 2013, geht mein Rückflug.

Eine Gasse in Kyoto an einem regnerischen Abend

Eine Gruppe Japaner in traditionellen Kostümen, die gemeinsam im Park tanzen

Schlafen, Essen, Preise

Teuer. Mit zuverlässiger Regelmäßigkeit taucht dieses Wort auf, wenn von Japan die Rede ist.
Ein Billigurlaub ist das Land der aufgehenden Sonne (ein wunderbarer Titel, findet Ihr nicht?) nicht.

Muss es das sein? 
In Indien gab ich weniger aus, natürlich. Aber Indien ist eben Indien. Mit all seinen Schwächen. Korea und Japan sind in dieser Richtung mit Reisen durch Europa vergleichbar: auch hier zu Hause geht das Geld leicht aus der Tasche. Die Preise sind in West wie Ost ähnlich (wobei in Korea etwas niedriger als in Japan). 

Wer das nicht ausgeben möchte oder kann, der ist in manchen Ecken Indiens oder Südostasiens im Moment besser aufgehoben.

In Korea und Japan schlief ich in einer Reihe angenehmer Hostels und Herbergen. Die Preise waren mit denen für Betten in Europa und den USA zu vergleichen. 
In dem Hotel in Seoul landete ich in einem fensterlosen Zimmer mit pinker Blumentapete, das mir das Grausen lehrte. Die Begrüßung im Guest House in Busan war dafür herzlich, und ich genoss den Blick von der Terrasse im 7. Stock über Hafen und Fischmarkt. Das Hostel in Kyoto lag direkt im alten Geisha-Viertel Gion und Yoshi, der junge Herbergsvater, erzählte im fließenden Englisch viel über Japan und seine Menschen. 
In Tokyo entschied ich mich für eine Unterkunft über AirBnB. Ich war neugierig, wollte wissen, wie die Tokyoter leben, und wie sieht eine japanische Wohnung aus? Am Ende war ich zufrieden.

In Korea hatte ich das große Glück, mit Daniel jemanden zu haben, der mich in die Küche einführte. Ich verkuckte mich in Kimchi (diesem zu allem gereichten, sauer-scharf eingelegten Weißkohl), war begeistert von den vielen Barbecues und den Eintöpfen. Vegetarier sollte man wohl nicht sein.

In Japan dauerte es etwas, bis ich überhaupt erkannte, wo sich denn die Lokale verstecken. Schaufenster sind selten, eine rote Laterne kennzeichnet jedoch Restaurants. Das muss man auch ersteinmal wissen. 
Ich esse keinen Fisch. Und doch musste ich in Japan nicht hungern. Im Gegenteil. Selten aß ich so gut wie in Korea und Japan.

Ach ja, die Sprache. Die sollte noch Erwähnung finden. Mit Englisch kommt man zurecht. Am besten wohl in Seoul. Dank der dort stationierten Amerikaner, nehme ich an.
Im öffentlichen Verkehr ist nahezu alles englisch ausgeschlagen. Und in den Ländern selbst? Mit Händen, Füßen, ein paar Brocken Englisch, einem Lächeln und einem freundlichen “Kamsahamnida” in Korea und “Arigato” in Japan kommt man sehr weit. 
Probleme hatte ich keine. In Nagano erklärte mir ein Rentner mit wildem Wedeln den Weg zu meinem Hostel, an dem ich dann trotzdem noch dreimal vorbeilief ohne es zu bemerken.

Korea und Japan waren der Traumurlaub, den ich mir erhofft hatte. So fremd, so herrlich, so wunderschön. 
Begleitet mich auf meiner Reise …

Das gelbe Maskottchen des Seouler Tourismusamtes

Dem Weltschaukasten könnt Ihr auch auf Facebook folgen

 

Mehr über meine Japan & Korea Reise 2013 :

 

Advertisements

3 Gedanken zu „Korea & Japan: das Vorspiel

  1. Hallo Tobias, interessehalber: Bei welchem Reisebüro hast Du Dein Railticket gebucht? Der Link führt anscheinend ins Leere.
    Und, wenn ich fragen darf: Wie hast Du das Thema: Smartphone/Sim-Karte gelöst?

    1. Der Link ist repariert – sorry!

      Ich hatte den Rail Pass bei JTB / Japan Specialist in Frankfurt gebucht (telefonisch). Den Pass gibt es auch über andere Anbieter. Doch die Tickets für das Studio Ghibli Museum bekommt man in Deutschland vorab nur über dieses Büro. Was den Ausschlag gegeben hat, dort beides zu buchen.

      1. Hallo Tobias, danke für die schnelle Antwort und den Link. Ich habe auch mittlerweile eine Übersicht mit deutschen Reisebüros gefunden, die diesen Rail-Pass verkaufen. Denke, dass das Museum bei mir nicht den Ausschlag gibt. Bin auch nicht ganz sicher, ob sich das Ticket (wenn es das ist, was ca. 300+ kostet) für mich lohnt, da ich ja keine umfangreichere Rundreise, sondern nur 3 Stationen machen möchte. Aber dafür ist ein professioneller Ansprechpartner natürlich gut. Danke & einen schönen Sonntag!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s