Goa: Der Sprung

Drei Wochen Indien. Voller Staub, Gerüche, Menschenmassen, Verkehr, Basare, Tempel, Regen, Nachtbusfahrten, Tuk Tuks, Armut, Müll, Dreck, ein weites Land und Schuljungs, die begeistert Handy-Fotos von uns schossen.

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Jetzt liege ich am Strand.
Wir haben Goa erreicht. Das Ende unserer Reise.
Mit dem Nachtzug sind wir aus Kannur gekommen, nun verbringen wir einige Tage in der noch ruhigen Touri-Hochburg Palolem bevor es nach Hause geht. Die Wochen waren fantastisch und anstrengend. Die Batterien sind leer. Es ist früh in der Saison, und der Ort wohl verhältnismäßig ruhig.
Palolem besteht aus Bretterhütten, in denen wir Touristen schlafen, Cafés, Bars, Souvenirbuden … und Strand.

Ein Traumstrand.
Auf dem auch die ein oder andere Kuh liegt. Ja, wir sind wohl doch noch in Indien.

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Die Sonne brennt auf meinen Körper. Ich lese. Gehe zwischendurch ins Wasser. Und leihe mir gemeinsam mit Lars Kayaks aus. Mit denen rudern wir einmal quer über die von Palmen gesäumte Bucht.

Abends stellen die Restaurants Tische und Stühle in den Sand, daneben eine Auslage mit dem frischen Fang des Tages, den die Fischer gerade angeliefert haben: Fische in allen Farben, riesige Tiger Prawns, ein kleiner Hai. Alles wird auf Bestellung gegrillt.
Ich entscheide mich trotzdem für’s Huhn.

Wir essen und trinken im Fackellicht, darüber Sterne, die Brandung klingt im Ohr.
Sie begleitet uns auch in den Schlaf.

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Für den nächsten Morgen haben wir eine Canyoning-Tour gebucht. Ein verrückter Franzose und ein noch verrückterer Italiener fahren mit uns in den stickig-schwülen Dschungel im Hinterland. Dort ziehen wir uns die Neoprenanzüge über und beginnen den Marsch durch den Wald.
Bald schon stehen wir an der ersten Felsklippe, unter uns der Wildbach. Mein erster Sprung. Er ist nicht hoch. Zwei bis drei Meter. Vor Höhen hatte ich stets Respekt. Nun will ich springen, Ängste überwinden.

Ich will.
Meine Beine nicht.
Eine gefühlte Ewigkeit stehe ich dort am Rand. Die Beine fühlen sich wie Pudding an. Sehr standfester, nicht springen wollender Pudding. Der Franzose und der Italiener reden auf mich ein. Das bringt nicht viel. Es ist ein Kampf des Willens. Nie fühlte ich mich so sehr im Widerspruch zu meinem Körper.
Schließlich gibt er mit großem Klagen nach.

Ich tauche ins kalte Wasser ein.

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Jeder folgende Sprung wird leichter. Wir krabbeln über Felsen, seilen uns ab, lernen uns gegenseitig kennen. Mit uns zwei Deutschen sind noch zwei Kanadier und ein russisches Ehepaar dabei. Der Italiener meinte noch, wir sollten den Russen ja bloß nicht sagen, wie viel wir bezahlt hätten. Anscheinend wird den Russen einiges mehr abgeknöpft. 
Wer hat, von dem wird genommen.
Doch viel erzählen können wir den Beiden eh nicht: sie sprechen nur Russisch. 
Mit Händen, Füßen und einem Lächeln verstehen wir uns aber gut genug.

Beim Abseilen an einem Wasserfall erdrossle ich mich fast selbst, ich schlag mir die Knie auf, laufe mir Blasen in den dünnen Neoprenschuhen. Bin am Ende völlig fertig, und sehr glücklich.

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Letzte Station unserer Reise: das schmucke Kolonialstädtchen Panaji. 
Vom Indien der letzten drei Wochen ist nicht mehr viel zu spüren. Es ist adrett, aufgeräumt, und könnte auch irgendwo an den sonnigen Küsten Südeuropas stehen. Noch bis 1961 herrschten hier die Portugiesen. Dann schmissen die Inder sie raus.
Der Ort hat allerdings seinen südeuropäischen Flair bewahrt. Die Leute sind hübsch, das Essen ist gut, ein letztes Mal atmen wir durch.

In der Nacht nehmen wir das Taxi zum Flughafen.
Um 4 Uhr früh geht der Flug nach Doha.

–November 2011–

Zu Indien, Teil 1: Ankommen
Zu Indien, Teil 2: Und der Regen fiel
Zu Indien, Teil 3: Mit Bus nach Süden
Zu Indien, Teil 4: An der Spitze
Zu Indien, Teil 5: Der Tuk-Tuk Fahrer am Wasserfall
Zu Indien, Teil 6: Fremd in der Tempel-Welt von Madurai
Zu Indien, Teil 7: Kälte, Münchner und Karusellfahrten
Zu Indien, Teil 8: Von Maharadschas, Kiffen und dem King of Bollywood
Zu Indien, Teil 9: Der Blick des Elefanten

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