Montréal … Trommelklänge

Montréal + Trommeln

Dum. Dum. Dum.
Dum. Dum. Dum.

Ein Herzschlag pocht den Berg hinauf. Wild, schnell, kraftvoll. Wie ein Tier. Man wähnt sich in der Karikatur einer Dschungelszene. Dabei stehe ich auf dem Mont-Real, der Hügel, der sich über dem kanadischen Montréal erhebt und dieser Stadt ihren Namen gab.

Dum. Dum. Dum.

Es ist Anfang Mai, und die dichtstehenden Bäume um mich herum sind noch so kahl wie bei uns im März. Doch die Sonne strahlt, und der Himmel ist kristallblau.
Gerade komme ich von der Aussichtsterrasse, mir ist warm. Lange sah ich dort einer Gruppe unterschiedlichen Geschlechts, Alters und bunter Herkunft in seidenen Roben Tai Chi Bewegungen machen zu. Dahinter lag Montréal mit seinen paar Hochhäusern, der breite Sankt-Lorenz, ein flaches Land und weit in der Ferne diesig eine Hügelkette.

Ich wandere den bewaldeten Hügel wieder hinab. Jogger, Spaziergänger, Frauen mit Kinderwägen kommen mir entgegen. Und ich höre das ständige Dum. Dum. Dum.
Lauter wird’s mit jedem Schritt, den ich der umliegenden Stadt am Fuße des Hügels näher komme.

Da trete ich ins Freie, eine kleine Grünfläche vor mir, in der Mitte ein steinernes Denkmal, wie es viele auf dieser Welt gibt. 
Darum sammeln sich Menschen: sie sitzen auf Stufen, sie picknicken, sie liegen auf Decken, manche in Hängematten, verkaufen Krimskrams wie Dreamcatcher und Lederbändchen.

Dum. Dum. Dum. Aus den Schlägen hat sich eine Art Melodie ergeben. Reiner Rhythmus. 
In einer Ecke sitzen mehr als 20 Leute – Frauen, Männer, Jung, Alt – und trommeln auf ihren Tam-Tams. Sie bilden einen Halbkreis, in deren Mitte eine ergraute Frau in Holzfällerhemd wie in Trance und mit geschlossenen Augen tanzt.
Riecht es hier etwa nach Gras?

Ich gehe zurück zu den Straßen der Stadt, lande unwillkürlich wieder in der Rue St. Denis, mit ihren Cafés und Restaurants. Wie schon in den letzten Tagen. Ich bleibe auf der rechten Straßenseite, da scheint die Sonne, links im Schatten ist es noch kalt.
In der netten Pension, wo zum Frühstück ein junger Schwarzer umwerfende Pancakes machte, meinte der Wirt, dies sei das erste Frühlingswochenende in diesem Jahr. Wie gesagt: es ist Anfang Mai.
Ganz Montréal ist draußen. Das Straßencafés sind proppevoll. Überall hört man dieses mir sympathisch-breite Französisch der Quebecois. Sie sprechen so langsam, was mir nur entgegen kommt. Man könnte doch glatt meinen, man sei in Frankreich … doch irgendwas stimmt nicht. Die Stadt ist eindeutig Nordamerika. Wie aus einer US-Serie. Und zwar einer der 90er Jahre. Es fällt mir schwer, den Finger drauf zu legen, doch Montréal fühlt sich nicht nach 2014 an. Trotz des kostenlosen WLANs im Airport-Bus.

Poutines

Bevor ich zum Flughafen fahre setze ich mich noch an einen Tisch vor einem Brauhaus. Der Kellner ist überrascht, als ich ihm in meinem stammelnden Französisch antworte. Er habe an dem Tag so viele amerikanische Touristen bedient, meinte er. 
Ich bestelle Poutines, in Bratensoße ersäufte Pommes frites, mit Cheddar-Käse drüber. 
Dazu als Extra noch mit Rauchfleischfetzen. Ich trinke Bier, denke an die Kalorien … und an Washington, Philadelphia, New York, und nun Montréal.

Danach mache ich mich auf den Heimweg.

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