New York … Frühstück

Sweet Life Café

Es nennt sich Sweet Life Café, dieses kleine Lokal in der Christopher Street im Village.
Auf dem Bürgersteig davor stehen zwei winzige Tische, um die 4 Menschen dicht an dicht sitzen, Kaffee trinken und frühstücken. Ein Hund liegt zwischen ihnen.

Ich betrete das Café. Ja, von außen wirkt es sympathisch.
Was mich jedoch hineintreibt ist die zu oft gemachte, leidliche Erfahrung, an Lokalen vorbeizugehen, zu meinen ich fände ja noch was besseres ohne zu wissen was genau besser sein soll, und am Ende hungrig zu bleiben. In dieser Hinsicht kann ich ein berechenbarer Esel sein.

Doch in dieses Café gehe ich hinein. Es ist klein, in der Ecke steht eine passend-kleine Theke, dahinter der mit einem Vorhang abgetrennte Durchgang zur Küche. Ich höre es daraus werkeln.
Ich setze mich an einem Tisch an der Wand.

 Links neben mir übt ein mittelalter Mann gedankenverloren mit sich selbst Kartentricks. Ich bin fasziniert, da werde ich fast filmreif von der Bedienung – einer ca. 40-jährigen, schwarzhaarigen, herumwuselnden Frau – mit “What can I get you, hon’?” begrüßt.

Tee und Blueberry Pancakes, danke.
Sie verschwindet in der Küche.

Der Mann mit den Kartentricks geht. Nun setzt sich einer mit Bauarbeiterhelm an den freigewordenen Tisch. Er wirkt nicht wie ein Bauarbeiter, eher wie ein Ingenieur oder Architekt. Man scheint sich zu kennen, ein älterer Herr gesellt sich zu ihm. 
Ich bin in einem Nachbarschaftscafé gelandet, und strahle vor Glück.

Am Tisch rechts von mir sitzt ein Paar mit zahlreichen Piercings an verschiedensten, sichtbaren Körperstellen und unterhält sich angeregt über Heavy Metal. Vor allem über dessen schweren Stand in New York.
Noch ein Tisch weiter: zwei Mittzwanziger in Anzügen; und ein noch ein Tisch weiter eine alleinsitzende Frau, die die restliche Welt vergessend in ein zerlesenes Taschenbuch starrt.
 Die hochschwangere Asiatin mir schräg gegenüber tippt mit beiden Händen auf ihrem iPhone herum.

Sweet Life Café

Da kommen meine Pancakes mit dicken Blaubeeren, begossen mit Ahornsirup und daneben ein Schälchen arg weißer Butter.
Es ist wunderbar.

Stundenlang könnte ich hier sitzen. Warum denn den Tag nicht hier unter diesen Menschen verbringen?
Doch nein! – New York ruft.
Diese gewaltige, verrückte Stadt.

Ich zahle und gehe in Richtung Süden, wo statt zweien heute ein Turm steht.

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